Buchtipp Erwachsene Juli 2018

Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Pásztor, Susann:
Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster : Roman / Susann Pásztor. - 4. Aufl. - Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2017. - 285 S. ; 21 cm
ISBN 978-3-462-04870-4 fest geb. : EUR 20.00

Ausgerechnet als ehrenamtlicher Sterbebegleiter in seinem 1. Einsatz bei der reservierten und eigensinnigen, an Krebs erkrankten Karla findet Fred, alleinerziehender Vater und Angestellter, wieder zurück ins Leben und einen ganz neuen Zugang zu seinem Sohn.

Schlagworte: Frau ; Krankheit ; Mann ; Sterbebegleitung ; Beziehung ; Tod ; Belletristische Darstellung

(© Kiepenheuer & Witsch)

Susann Pásztor hat mit "Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster" einen Roman über einen ehrenamtlichen Sterbebegleiter geschrieben, der sich an seiner ersten Klientin fast die Zähne ausbeißt.

Fred, ein alleinerziehender Beamter möchte sein langweiliges Leben bereichern und dabei einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Mit zunehmender Begeisterung erklärt er seinen Kollegen, „dass man sich dem Tabuthema Tod stellen, ja, es in die Mitte des Lebens zurückholen müsse, wo es schließlich hingehörte. Menschliche Zuwendung, liebevolle Begleitung, Erhalt der Lebensqualität, ein würdiges Leben bis zum letzten Atemzug. Das sind Dinge, für die er einstehen wolle."

Nach der Ausbildung zum Sterbebegleiter wird er Karla zugeteilt. Sie hat Bauchspeicheldrüsenkrebs, hat die Chemotherapie abgebrochen und nur noch einige Wochen oder Monate zu leben. Karla ist alleinstehend und bereitet sich sehr pragmatisch auf ihr Lebensende vor. Sie ist unnahbar, manchmal sogar schroff Fred gegenüber, denn eigentlich wollte sie gar keinen Sterbebegleiter, aber ihr Arzt hat dringend dazu geraten.

Wir erfahren wenig von Karlas Vergangenheit, nur dass sie wohl eine Schwester hat, die im Todesfall zu benachrichtigen ist und es in Karlas Leben eine jahrzehntelange Verbindung zur Rockgruppe Grateful Dead gibt. Karla besitzt ein riesiges analoges Fotoarchiv von Konzerten dieser Gruppe, das sie vor ihrem Tod noch digitalisieren lassen will. Fred empfiehlt für diese Arbeit seinen 13-jährign Sohn Phil.

Phil ist ein verunsicherter, in sich gekehrter Außenseiter, der seine Gefühle lediglich in selbstgeschriebenen Gedichten ausdrücken kann. Karla entdeckt und teilt seine Leidenschaft für die Lyrik. Auch ohne viele Worte kommen sich beide näher. Das Zusammensein mit der todkranken Frau, das er anfangs noch fürchtet, stärkt ihn zusehends.

Fred fällt der angemessene Umgang mit Karla anfangs deutlich schwerer. In guter Absicht überschreitet der frisch gebackene Sterbebegleiter seine Kompetenzen und mischt sich in das Leben seiner geheimnisvollen Klientin ein.

Eine schöne, ehrliche Geschichte über Menschen, die sich dem Thema Tod stellen und daran wachsen.

Susann Sásztor, geboren 1957 in Soltau, ist selbst als ehrenamtliche Sterbebegleiterin in Berlin tätig. Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster ist nach Ein fabelhafter Lügner (2010) und Die einen sagen Liebe, die anderen sagen nichts (2013) ihr dritter Roman.

 

Sabine Fürst

Stadtbibliothek im Torhaus

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