Buchtipp Erwachsene September 2018

Virginia Reeves: Ein anderes Leben als dieses

Übersetzer: Simone Jakob und Hannes Meyer. –
1. Aufl. - Köln : DuMont, 2018. - 319 Seiten
Originaltitel: Work like any other.
ISBN 978-3-8321-9869-5

(© Dumont)

Zum Buch:

Anfang der 20er Jahre lebt Roscoe T. Martin mit seiner Frau Marie und seinen Kindern auf einer Farm in Alabama. Er ist Elektriker, hat sich aber dennoch entschieden auf die Farm von Maries verstorbenen Eltern zu ziehen und Landwirtschaft zu betreiben. Doch beiden liegt dieses Leben  auf dem Land überhaupt nicht. Roscoe läßt den Großteil der Arbeit einfach liegen, während Marie versucht alles am Laufen zu halten. Ebenfalls auf der Farm lebt der schwarze Arbeiter Wilson mit seiner Familie, der ein langjähriger Freund der Familie ist. Als die staatlichen Elektrizitätswerke beginnen Stromleitungen zu legen, hofft Roscoe auf einen Neuanfang auf der Farm. Leider plant niemand einen Anschluss direkt zur Farm zu legen. Doch Roscoe sieht seine Chance gekommen: er beschließt illegal Strom abzuzweigen und so seine Farm wieder wirtschaftlich besser stellen zu können.

Zuerst läuft alles gut, die Umsätze steigen und auch die angeschlagene Ehe und das Verhältnis zu seinem Sohn Gerald entwickeln sich positiv. Eines Tages jedoch kommt ein Mitarbeiter der Elektrizitätswerke bei der Inspektion der Leitungen durch Roscoes’ Schuld zu Tode. Dieses Unglück verändert das Leben von beiden Familien:  Roscoe wird verhaftet und zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Wilson, der trotz der Unschuldsbeteuerungen Roscoes gleich mit verhaftet wird, ergeht es noch schlimmer. Er wird als Leiharbeiter in ein Kohlebergwerk geschickt. Seine Familie erhält jahrelang keinerlei Nachricht von ihm. Roscoe hingegen kommt in ein Gefängnis, das auf Resozialisation setzt und den Häftlingen die Möglichkeit bietet, einer Arbeit im Gefängnis nachzugehen. Doch trotzdem folgen für ihn schreckliche Jahre: seine Schuld drückt ihn nieder und seine Familie wendet sich komplett von ihm ab. Der Alltag im Gefängnis ist rauh und unbarmherzig. Dort finden sich die verschiedensten Charaktere vom Sadisten bis zum aufgeklärten Menschenfreund.

Virginia Reeves erzählt in ihrem Debütroman auf eindrückliche Art und Weise von der Schwierigkeit Schuld zu tragen, zu verzeihen und um Verzeihung zu bitten. Ihr ist ihr ein großartiges Gefängnis- und Familiendrama gelungen, das nebenbei ein Gesellschaftsporträt Alabamas zeichnet, das von Rassismus und der Ungleichbehandlung zwischen Schwarzen und Weißen geprägt ist. Die Verhältnisse in den Gefängnissen zur damaligen Zeit werden eindrücklich geschildert und man spürt die unterschiedlichen Gefühle Roscoes’ in all den Jahren. Dabei schafft es die Autorin die Figuren authentisch und einfühlsam zu beschreiben. Ein Buch, das man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann.

Zur Autorin:

Virginia Reeves studierte am Michener Center for Writers in Texas. Sie veröffentlichte u. a. in The Baltimore Review. Mit ihrem Debütroman „Ein anderes Leben als dieses“ stand sie auf der Longlist des Man-Booker-Preises. Sie lebt mit ihrer Familie in Austin, Texas.

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