Buchtipp für Erwachsene Dezember 2017

Alex Capus: Das Leben ist gut

1. Aufl. - München : Hanser, 2016. - 240 Seiten
ISBN 978-3-446-25267-7 fest gebunden; EUR 20.00

(© Hanser )

Der Schweizer Max ist eigentlich Schriftsteller, seit 25 Jahren glücklich mit Tina verheiratet und hat mit ihr drei gemeinsame Söhne. Doch schon seit einiger Zeit plagt ihn eine Schreibblockade und er widmet sich seinem Nebenjob. Er betreibt eine kleine Bar, die ihm sehr am Herzen liegt, denn er ist Barbesitzer aus Überzeugung. Eigentlich könnte alles so weitergehen, doch seine Frau Tina erhält einen Lehrauftrag an der Universität in Paris und so wird er nun zeitweise zum Strohwitwer und ihre Beziehung zu einer Fernbeziehung. Für Max geht der Alltag überraschenderweise wie gewohnt weiter. Morgens frühstückt er mit den 3 Söhnen, dann bereitet er alles in seiner Bar vor, bevor am Spätnachmittag das Rolltor für die Gäste geöffnet wird. Doch er merkt bald, dass die Abwesenheit seiner Frau ihm doch mehr zu schaffen macht als geahnt. Dies nimmt Max zum Anlass über sich, seine Gäste und sein Leben zu reflektieren und sich Gedanken über das Wesentliche im Leben zu machen. Geschichten und Begegnungen in der Bar, Gedanken zu seinem Leben und über die Welt reihen sich episodenhaft aneinander. Max verkörpert einen Menschen, der in einer sich stetig wandelnden und schnellen Welt nichts mehr liebt als die Beständigkeit und seine kleine Bar mit gewohntem Alltag. Seiner Meinung nach ist das Leben genau dort am greifbarsten, wo sich Menschen begegnen – also bei ihm in der Sevilla-Bar. Unaufgeregt und unspektakulär erzählt Max aus seinem Leben, mit dem er zufrieden ist und in dem sich keine Katastrophen und Dramen abspielen. Doch durch die unterschiedlichen Gäste in der Bar und ihre Erlebnisse wird es nie langweilig.

Der erzählende Barbesitzer trägt deutliche autobiografische Züge des Autors Alex Capus, der auch in der Schweiz lebt und dort eine kleine Bar besitzt. Nur so kann man erklären, wie genau und präzise das Leben hinter dem Tresen beschrieben wird. Der Roman hat keinen typischen Erzählablauf und so muss man sich zuerst auf diese Art des Erzählens einlassen. Aber hat man dies geschafft, erwartet den Leser ein humorvoller, hintersinniger und erfrischender Roman, der die Schönheit des Alltags, von Freundschaft und Liebe aufzeigt. Auf diese Weise ist dem Autor etwas gelungen, was man nur in wenigen Büchern findet: eine Hauptfigur, die mit dem Leben zufrieden ist, das sie führt. Ein Roman der leisen Töne, der aber noch lange nachklingt.

 

Zum Autor:

Alex(andre) Michel Ernest Capus wurde am 23. Juli 1961 in Montagne-au-Perche (Normandie) als Sohn einer aus der Schweiz stammenden Grundschullehrerin und eines französischen Psychologen geboren. Die ersten fünf Lebensjahre wuchs er in Paris auf; nach der Scheidung der Eltern zog er mit seiner Mutter und dem zwei Jahre jüngeren Bruder Emmanuel in die schweizerische Kleinstadt Olten.

Nach der Matura in Olten (1980) studierte er 1981-1984 Geschichte, Philosophie und Ethnologie in Basel (ohne Abschluss) und war daneben für verschiedene Tageszeitungen als Journalist tätig.

Zwischen 1986 und 1995 arbeitete er als Journalist bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen, davon vier Jahre als Inlandredakteur bei der Schweizerischen Depeschenagentur SDA in Bern. 1994 veröffentlichte er seinen ersten Erzählungsband „Diese verfluchte Schwerkraft“, dem seitdem weitere Romane, Bücher mit Kurzgeschichten und Reportagen folgten. Alex Capus verbindet sorgfältig recherchierte Fakten mit fiktiven Erzählebenen, in denen er die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten einfühlsam beschreibt.

Bei Hanser erschienen zuletzt die Romane „Léon und Louise“ (2011) und „Fast ein bisschen Frühling“ (Neuausgabe, 2012) sowie der Western „Skidoo“ (2012). Danach veröffentlichte er "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" (2013) und "Mein Nachbar Urs" (2014).

Für seine schriftstellerische Arbeit erhielt Alex Capus bereits zahlreiche Preise. Alex Capus lebt heute als freier Schriftsteller in Olten, Schweiz und besitzt selbst eine Bar im schweizerischen Olten, die Bar Galicia.

Er ist mit der Juristin Nadja Capus-Theurer verheiratet und hat vier Söhne. Seine Bücher schreibt der in Frankreich geborene Autor in Deutsch, das er als seine Muttersprache bezeichnet.

 

Pressestimmen:

"Capus formuliert mit herzlicher Gelassenheit, mit Nachsicht, feiner Selbstironie und mit der Gabe, der vielleicht banalen Vergänglichkeit Schönheit einzuhauchen.
Ulrich Seidler, Frankfurter Rundschau, 18.10.16

"Es bleibt das Verdienst des Autors, ein in der Literatur ganz seltenes Phänomen zu schildern: einen Menschen, der mit dem zufrieden ist, was er hat."
Sandra Kerschbaumer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.16

„Prall gefüllt mit aberwitzigen, anrührenden und erschütternden Geschichten. … Dass der Autor nicht in ferne Länder und Zeiten schweift wie in etlichen seiner früheren Bücher, bedauern wir keinen Augenblick. Zumal er es am Ende doch noch tut: in einer Traumsequenz, die zum Schönsten gehört, was Capus je geschrieben hat. ... Keiner kann so spannende, witzige und sinnige Geschichten erzählen wie er.“
Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 21.08.16

 

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