Buchtipp für Erwachsene November 2019

Karen Köhler: Miroloi

1. Auflage. - München : Carl Hanser Verlag, 2019. - 462 Seiten
ISBN 978-3-446-26171-6 fest geb. : EUR 24.00

(© Hanser Verlag)

Zum Roman:

Die namenlose jugendliche Ich-Erzählerin wurde als Baby auf einer abgeschotteten Insel in einem Bananenkarton ausgesetzt. Die Insel ist weit vom Festland entfernt und nur gelegentlich läuft ein Schiff den Hafen an, um Waren vorbei zu bringen. Die Bewohner verlassen ihre Insel grundsatzlich nicht, sondern sind Selbstversorger.

Der Bethaus-Vater hat das Mädchen gefunden und ihm ein Zuhause gegeben, doch von den anderen Dorfbewohnern wird das Mädchen nicht akzeptiert, sondern für alles Schlechte im Dorf verantwortlich gemacht. Sie selbst hält sich für hässlich und ist Hohn und Spott ausgesetzt.

Im Dorf ist das Zusammenleben mit zahlreichen Regeln genau bestimmt. Den Männern ist sehr viel erlaubt, während die Frauen kaum Rechte haben und ihnen eine Schulbildung verwehrt bleibt.

Frauen dürfen Brot backen, Ziegen hüten, die Kinder erziehen und auf keinen Fall lesen und schreiben lernen. Der Ältestenrat bestimmt das dörfliche Leben, es lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem.  

Gegen diese starren Regeln rebelliert die jugendliche Außenseiterin, die aufgrund ihrer unbekannten Herkunft noch weniger Rechte als die anderen Dorfbewohner. hat. Das Verlieben in einen Bethaus-Schüler und das heimliche Erlernen des Lesens führt natürlich bald zu Komplikationen.

In einer märchenhaften Sprache vorgetragen und aus der Sicht einer jugendlichen Heranwachsenden, entfaltet sich der Roman zu einem politisch aktuellen Plädoyer für die Errungenschaften der Zivilisation, für Menschenwürde und Selbstbestimmung. Dabei geht es um die Emanzipation – Mann wie Frau- und um den Platz des Einzelnen in der Gesellschaft.

Der Titel „Miroloi" ist dabei nicht  zufällig gewählt. Es ist der Name für ein Totenlied, welches das Leben des Dahingeschiedenen beschreibt. In der griechisch-orthodoxen Kirche wird es von Frauen geschrieben und gesungen. Die namenlose Ich-Erzählerin aus Karen Köhlers Roman singt in 128 Strophen ein Lied über den Mut, aufzubegehren.  Ein beeindruckender Roman, der noch lange im Gedächtnis bleibt.

Zur Autorin:

(© Hanser-Verlag)

Karen Köhler hat Schauspiel studiert und zwölf Jahre am Theater in ihrem Beruf gearbeitet. Heute lebt sie auf St. Pauli, schreibt Theaterstücke, Drehbücher und Prosa. Ihre Theaterstücke stehen bei zahlreichen Bühnen auf dem Spielplan. 2014 erschien ihr viel beachteter Erzählungsband " Wir haben Raketen geangelt" für das den sie 2015 den Schubart-Literaturförderpreis der Stadt Aalen erhielt. 2017 erhielt sie für ihren Roman " Miroloi" (Hanser 2019) ein Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung, 2018 das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds.

Pressestimmen:

"Mit „Miroloi“ hat sie eine Parabel über die Freiheit geschrieben, die Raum lässt für die Gedanken des Lesers, in ihrem hoffnungsvollen Gesang."
Lisa Kreißler, NDR Kultur, 15.08.19

"Ein ganz und gar eigentümliches Buch, das mir wie ein Ohrwurm nicht aus dem Sinn geht. ... Ein Roman von bezwingender poetischer Schönheit und existentieller Wucht. ... Die tollste Inselgeschichte, meiner Meinung nach, seit Robinson Crusoe."
Denis Scheck, ARD druckfrisch, 15.09.19

"Eine mitreißende Geschichte von Menschwerdung und Selbstermächtigung gegen alle Widerstände."
Nadja Erb, Frankfurter Rundschau, 12.09.19

 

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