Buchtipp Erwachsene April 2018

Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt

München : dtv, 2017. - 302 Seiten
ISBN 978-3-423-28133-1 fest geb. : EUR 21.00

(© dtv)

Mill Valley, ein verträumtes Städtchen über der Bucht von San Francisco, ist die Heimat der jugendlichen Protagonisten dieses Romans. Sie kommen alle aus wohlhabenden Verhältnissen und besuchen alle in die gleiche Schule. Statistisch gesehen ist Mill Valley einer der sichersten Orte der Welt. Was macht dieses friedliche Plätzchen also so gefährlich?

Trotz ihres jugendlichen Alters sind die Rollen der Achtklässler in der Gruppe offensichtlich schon verteilt: da ist z.B. die unscheinbare Cally. Klein, dünn, aschblond träumt sie davon, endlich wahrgenommen zu werden, vor allem vom Mädchenschwarm Ryan, dem Schönling und Baseball-Star der Schule. Zusammen mit seinen Freunden Nick und Damon bilden sie ein skrupelloses aber tonangebendes Trio. Dann ist da noch Elisabeth, die sich durch ihre außergewöhnliche Schönheit isoliert fühlt und Emma, die alles einer Karriere als Tänzerin unterordnet. Und schließlich gibt es noch Außenseiter Tristan. Er ist dicklich und unmöglich gekleidet aber intelligenter und empfindsamer als alle anderen. Er wagt es, Cally gegenüber seine Gefühle zu offenbaren und schreibt ihr einen Liebesbrief. Als Cally ihn herumzeigt bricht in den sozialen Medien ein Sturm los, dem Tristan nicht standhält. Einige Wochen später nimmt er sich das Leben.

Der zweite Teil des Buches, der sehr viel mehr Raum einnimmt,  setzt drei Jahre später ein, folgt aber keiner Handlung. Vielmehr werden einzelne Szenen aus dem Leben der damals Beteiligten herangezogen, um das Lebensgefühl, den Zeitgeist und die Probleme, mit denen Jugendliche heute zu kämpfen haben, einzufangen. Wir erfahren von unerwiderter Liebe, zerrüttetem Elternhaus, Vernachlässigung, der Suche nach sexueller Identität, von Zerstörungswut, Cybermobbing und Drogenkonsum. Bei all dem sehen sich die Jugendlichen von den Erwachsenen allein gelassen. Keiner merkt, dass etwas nicht stimmt, keiner stoppt ihr Tun. Die Eltern sind meist zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben der inneren Leere ihrer Kinder nichts entgegenzusetzen.

Der Autorin Lindsey Lee Johnson ist mit ihrem Debut ein einfühlsamer Roman über das Erwachsenwerden und die gefährlichste Phase im Leben eines Menschen gelungen – der Pubertät. In einfacher Sprache konfrontiert sie uns mit den Nöten, Hoffnungen und Abgründen junger Menschen und lässt auch uns oft ratlos zurück, denn sie erklärt nichts, sie beschreibt nur.

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